Lachsfischen in Deutschland
Fitze, Ole, Laks, lucius
...das klingt zuerst mal etwas „exotisch“, weit gefehlt!
Dem ein oder anderen Angler ist es vielleicht schon zu Ohren gekommen, dass die Lachsfänge an der deutschen Ostseeküste in den letzten Jahren zugenommen haben. Mitunter dadurch, weil die Fische gezielter befischt werden.
Der jährliche Pfingstangelurlaub auf Raubfisch wurde in diesem Jahr auf Ostern gelegt und unsere Zielfische waren Salmoniden in Form von Meerforelle und Atlantischem Lachs.
Wir informierten uns vorher über Angelmöglichkeiten und Chancen solche Fische zu fangen und stellten fest, dass es schwierig werden könnte. Meerforellen fängt man mitunter gut beim Watangeln vom Ufer aus, Lachse beim Schleppfischen vor der Küste.
Die Meerforelle - Fisch der tausend Würfe…
....und wir als „Neulinge“ in diesem Gebiet meinen wir fahren da mal kurz hoch, ziehen unsere Wathosen an und fangen diese Fische. Wir hatten ein nettes kleines Häuschen auf Rügen gemietet und 6 Angeltage zu Verfügung. Drei Tage hatten wir mit Trolling (Schleppfischen) auf Lachs mit dem Team Bodden-Angeln verplant. An den drei anderen Tagen wollten wir den Meerforellen nachstellen, wobei ein Tag davon der Anreisetag war und wir nur noch den späten Nachmittag zur Verfügung hatten. Wir nutzten die Zeit um uns umzusehen und einen vermeintlich guten Platz an der langen Küste Rügens zu finden, der sich zum Watfischen eignete. Irgendwo dann entdeckten wir ganz versteckt einen Zugang über die Steilküste zum Wasser. Dort waren auch ein paar Watangler zugegen. Einige Würfe sollte der bald endende Angeltag noch hergeben und wir versuchten uns in der neuen Disziplin, jedoch ohne Fischkontakt. Allerdings konnte ein einheimischer Watangler eine Meerforelle fangen, was uns auch motivierte, diese Stelle am nächsten Tag wieder aufzusuchen.
Zu Viert machten wir uns tags darauf auf den Weg, wollten unterwegs aber noch Heringe mit Hegenen fangen, da diese zu der Zeit in Massen die Ostseeküste heimsuchen. Jeder auf Rügen der eine Angel heben kann versucht sein Glück und es ist wohl Inselsport. Einen freien Angelplatz findet man schwer, da hunderte Angler die guten Plätze bevölkern. In flachen Gewässerabschnitten sieht man oft dutzende Angler mit ihren Wathosen 200 Meter weit draußen im Wasser an der Kante stehen und Heringe zocken. Kurz gesagt, wir versuchten es auch kurz, fingen jedoch keinen einzigen, gaben schnell auf und fuhren weiter zum Meerforellen fischen. An der vorhin erwähnten Stelle ist MeFo fischen hartes Brot. Das Wasser wird ziemlich schnell tief, hoher Wellengang, starker Wind, Nieselregen, Wassertemperatur 8°C sowie steiniger und schmieriger Boden. Teilweise kam man nicht weiter wie 3 Meter ins Wasser. Große im Wasser liegende und herausragende Steine auf die man sich Stellen konnte, galt es zu erreichen, was ein äußerst schwieriges Unterfangen war.
Das Tagesziel war klar, wir wollten eine Meerforelle fangen und müssen so viel werfen wie möglich. Mit speziellen Meerforellenblinkern sollte es klappen. Nach einer guten Stunde hatten wir den ersten Biss und die erste MeFo konnte erfolgreich gekeschert werden. Top dachten wir, aber andererseits müssten jetzt wohl wieder hunderte Würfe folgen bis die Nächste fällig ist. Am Abend lagen jedoch drei schöne Meerforellen auf den Steinen, alle um die 50 cm, eine weitere, welche gut 70 cm hatte, wurde verkeschert. Wenn das aber mal keine gute Tagesausbeute war.
Tags darauf suchten wir wieder diese Stelle auf. Bis auf zwei/drei andere Watangler die die Küste entlang gehen, trifft man dort sonst keinen Menschen.
Auch am zweiten vollen Angeltag waren wir wieder erfolgreich. Vier 50-er Meerforellen gelandet und nochmals dieselbe Menge ging beim Drill verloren, eine davon wiederum mit gut 60 cm. Wir waren echt überrascht, dass es so gut klappte, aber wenn man bis zu acht Stunden im kalten Wasser steht, muss dies auch irgendwann belohnt werden.
Am darauffolgenden Tag sollte es eigentlich mit dem Boot zum Schleppen hinausgehen. Aufgrund des starken Windes fiel die Tour aber flach, also stand wieder Watangeln auf dem Tagesprogramm. Uns wurde angeboten, alternativ mit einem Angelführer zum Watangeln zu gehen. Da wir aber gut gefangen hatten in den letzten Tagen, lehnten wir das ab und gingen wieder auf eigene Faust. Die Entscheidung war richtig und Ole hatte das Glück, eine Meerforelle von 82 cm zu fangen! Solch ein Exemplar vom Ufer aus zu erwischen ist sehr selten. Dazu noch zwei Forellen mit 51 cm und einige Aussteiger. Als uns der angebotene Angelführer abends am Telefon erzählte, dass er mit seiner Angelgruppe nicht mal einen Nachläufer hatte, war die Freude über den gelungenen Angeltag perfekt.
Tag 5 + 6 ging es dann endlich mit dem Boot hinaus auf Lachs. Die Boote hatten knapp 6 Meter und man war zwei oder drei Angler + Guide auf dem Boot. Die See war an Tag 5 ordentlich rau und der Seegang drehte dem ein oder anderen von uns ordentlich den Magen rum. An Tag 6 war die See spiegelglatt und ohne Sonnencreme wäre der erste Sonnenbrand fällig gewesen.
Geschleppt wurde sehr professionell mit perfekter Ausrüstung. Teilweise mit bis zu 12 Angeln/pro Boot gleichzeitig mit Hilfe von Planerboard- und Downriggersystemen. Auch auf Lachs wird mit Blinker gefischt, jedoch sind diese eher breiter als die Meerforellenblinker. Küstennah kann man noch nicht so tief schleppen, da dort viele Dorschschwärme sind und diese sonst ständig die Blinker nehmen. Auf Lachs wird ca. 10 – 20 km vor der Küste Rügens geschleppt. (Teilweise werden Lachse aber auch beim Watangeln gefangen!). An den beiden Trollingtagen fingen wir 5 Lachse von 50, 78, 80, 93 und 106 cm. Der schwerste Lachs hatte 24 Pfund. Zwei Meerforellen von 60 und 79 cm als Beifang sowie Dorsch. Ein paar Bisse von kapitalen Lachsen konnten leider nicht verwertet werden.
Wenn so ein Lachs in die Rute knallt ist es eine einmalige Erfahrung. Die Rolle fängt an zu pfeifen und es sind mal eben 100 Meter Schnur runter. Wenn dann am „Horizont“ noch der Lachs aus dem Wasser springt, erinnert das fast schon an Big-Game-Fishing.
Rügen entwickelt sich zu einer wirklich guten Alternative zu Dänemark oder auch Norwegen, wenn man sich die Fahrtzeit und –kosten sparen will. Wie uns gesagt wurde fängt man z.B. in Dänemark wohl höhere Stückzahlen an Lachsen, jedoch ist die Anzahl der Meterlachse bei Rügen, im Schnitt jeder Vierte, wesentlich höher. Wer gezielt auf Dorsch gehen will, wird auch auf Rügen glücklich. Ordentliche Stückzahlen und Größen sind möglich.
lucius
Ort:
Land:
Deutschland
Gewässertyp:
Meer
Angelgewässer:
Sonstiges Gewässer:
Ostsee

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