Karpfenangeln und Unterwasserpose.Geht das?
Tackleschlepper
Sonntag, 16. September 2007
Hallo .
Wir wissen ja alle das sich Karpfen besonders häufig in hindernisreichen Gewässerabschnitten aufhalten.Seerosenfelder oder versunkene Bäume,oder auch Krautfelder und Schilfabschnitte sind häufig nur so überfüllt mit Schnecken und Muscheln.
Bereiche mit felsigem oder steinigem Untergrund bieten oft optimale Rückzuggelegenheiten für Krebse.Dort kommen sie dann nachts aus ihren Verstecken.Bäume,Äste und Sträucher sind oft mit Dreikantmuscheln bewachsen,die natürlich besonders gefährlich für unsere Montagen sind.
Für die Bereiche mit viel Kraut, Felsen, Kanten, Bäumen usw. kommt eigentlich fast ausschließlich nur eine Montage zum Einsatz – die Unterwasserpose. Richtig angewandt können die sonst üblichen Fisch- und Materialverluste drastisch reduziert werden.
Die Richtige Unterwasser Posenmontage .
Die Unterwasserposen-Montage unterscheidet sich von einem normalen Rig eigentlich nur wenig. Als End-Montage kommt eine normale Festblei-Montage entweder als Inline oder Seitenblei zum Einsatz. Das Seitenblei ist jedoch wesentlich flexibler in der Anwendung und man kann damit schneller auf verschiedene Situationen reagieren .Über dem Rig wird eine Unterwasserpose auf die Haupt- bzw. Schlagschnur gefädelt.
Die übliche Montage von Unterwasserposen ist normalerweise Inline,Man kann aber auch die Posen so verändern das sie als Seitenmontage gefischt wird.. Dazu dreht man kleine Metalösen (im Baumarkt erhältlich) in die Schnurführung der Posen. Die werden dann mit einem sogenannten Swivel-Bead (Kunststoffperle mit Wirbel) an der Hauptschnur montiert. Dies hat den Vorteil, dass man schnell eine Pose montieren kann, wenn es für notwendig ist. So muss man nicht jedes Mal Rigs neu montieren. Eine Gummi-Stopperperle und ein Stopperknoten runden die Montage ab. Mit der Seitenblei-Montage kann man genauso schnell auf verschiedene Situationen reagieren, ohne immer das komplette Rig neu zu machen.
Wenn man z.B. seine Angelstelle von einer kurzen Wurfentfernung auf eine hindernisreiche Stelle in über 100 Meter Entfernung wechseln möchte, dann braucht man lediglich die Pose in das bereits vormontierte Swivel-Bead einzuhängen und das 4 oz Blei gegen ein schwereres auszutauschen - fertig. Jetzt kommt nur noch ein Punkt, den man dann beachten sollte, nämlich die richtige Einstellung bzw. Anwendung der Pose.
Die Richtige Anwendung .
Beim Fischen mit der Unterwasserpose wird oft der Auftrieb der Pose vergessen. Dieser Auftrieb nimmt dem Festblei einen Teil seiner Effektivität und deshalb ist es wichtig, das Blei etwas schwerer zu wählen. Je nach Angelentfernung verwendet man zwei verschiedene Größen von Unterwasserposen. Bis etwa 100 Meter Entfernung kommen Posen mit 40 g Auftrieb zum Einsatz. Bei größeren Entfernungen kommen dann Posen mit 60 g zum Einsatz. Der große Auftrieb ist nötig, um die größere Menge an Schnur vom Gewässerboden wegzuhalten.
Fischt man Seitenbleie, dann sollten mit den kleinen Posen mindestens 5 oz (140 g) und bei den größeren Posen mindestens 6 oz schwere Bleie zum Einsatz kommen. Damit kann man auch bei großen Entfernungen und starkem Wind seine Montagen optimal spannen. Den Stopperknoten stellt man etwa auf die Wassertiefe seiner Angelstelle ein. Die Montage wird mit dem Boot an die ausgesuchte Stelle gefahren und abgelegt.
Idealerweise steht die Unterwasserpose jetzt genau senkrecht über der Montage. Gerade bei Wind ist das ein großer Vorteil, weil punktgenaues Beifüttern dadurch besonders leicht wird. Mit offenem Rollenbügel fährt man zu seiner Angelstelle zurück und spannt die lockere Schnur. Je stärker die Spannung, desto weiter wird die Unterwasserpose Richtung Gewässerboden bzw. Hindernisse gezogen. Je stärker die Spannung, desto direkter ist aber auch die Bissanzeige. Es ist also situationsabhängig wie stark man nachspannt.
Biss und Drill
Der Hauptunterschied zu einer Montage ohne Unterwasserpose besteht darin, dass man nach einem Anbiss nur kurz Kontakt aufnimmt, um sicherzustellen, dass der Fisch gehakt ist. Danach öffnet man sofort den Rollenbügel und steigt ins Boot, um dem gehakten Fisch entgegenzufahren. Die lose Schnur wird immer wieder aufgespult bis man sich direkt über dem Fisch befindet. Erst jetzt beginnt der eigentliche Drill. In der Zwischenzeit wurde die Schnur, bedingt durch den Auftrieb der Unterwasserpose, vom Blei immer direkt senkrecht nach oben geführt und von den Hindernissen ferngehalten. Beim normalen Drill (Anschlag und sofort Druck ausüben) würde die gespannte Schnur immer genau zum Fisch zeigen und so direkt an den Hindernisse reiben. Durch das schwere Blei ziehen viele Fische zudem auch noch vom Gewässerboden und somit von den Hindernissen weg.
Wenn der flüchtende Fisch nicht in größere Tiefen zieht, dann ist die Pose an der Oberfläche sichtbar und man weiß jederzeit, wohin der Fisch flüchtet. Beim Drillen hat die Unterwasserpose noch den weiteren Vorteil: Mit Hilfe des Stopperknotens kann man abschätzen, in welcher Tiefe sich der Karpfen gerade befindet. So kann jeder entscheiden, ob er härter drillen muss (z.B wenn sich der Fisch in Boden bzw. Hindernisnähe befindet) oder ob man den Drill etwas ruhiger angehen kann.
Sehr viele Fische stoppen ihre Flucht relativ schnell, wenn sie keinen Druck spüren. Sie bleiben dann relativ ruhig in der Nähe des Platzes, an dem sie gehakt wurden. Dies ist natürlich auch ein wichtiger Faktor, denn der Fisch flüchtet nicht in weitere Hindernisse und steht ruhig am Boden. Gerade bei starkem Krautvorkommen ist das ein unschätzbarer Vorteil. Ein flüchtender Fisch würde die gesamte Montage mit Schlag- und Hauptschnur im Kraut hinter sich herziehen. Wenn sich dann im Kraut auch noch viele Schnecken und Muscheln befinden, dann ist die Wahrscheinlichkeit, den Fisch wegen Schnurbruch zu verlieren, relativ hoch. Mit nur wenig Druck nach dem Anschlag flüchtet ein gehakter Fisch nur selten weiter wie in das erste rettende Krautfeld. Oftmals verharrt er einige Minuten an einem Platz. Ist man dann direkt über dem Fisch , ist es kein besonderes Problem mehr, ihn aus dem Kraut herauszudrillen.
Schnurspannung
Beim Angeln in starkem Kraut ist es von der Höhe des Bewuchses abhängig, wie stark man die Montagen spannt. Je höher der Bewuchs, desto schwächer muss gespannt werden, da sonst die Hauptschnur ins Kraut hineingezogen wird. Bei Hindernissen, die sich direkt am Gewässerboden befinden (Baumstümpfe und grober Felsboden) kann die Montage relativ stark gespannt werden. In allen Fällen muss nach dem Run die Rolle aber wieder geöffnet werden, um die Schnur mit Hilfe der Unterwasserpose vom Boden wegzubekommen. Das gleiche gilt für das Angeln an muschelbewachsenen Kanten und Plateaus.
Wenn ein gehakter Karpfen nach dem Biss vom Plateau ins tiefere Wasser flieht, dann wird die Schnur über die muschelbewachsene Kante geführt und in den seltensten Fällen in Mitleidenschaft gezogen. Ohne Unterwasserpose hat man gerade unter diesen Umständen oft die geringste Chance, weil die Hauptschnur oft schon vor dem Anschlag gekappt ist. Sehr wichtig ist auch die richtige Einstellung der Rollen/Baitrunner. Auf keinen Fall sollte die Einstellung zu hart gewählt werden, denn dadurch wird die Schnur bei einer Flucht zu stark gespannt und sie kommt zu nah an die Hindernisse heran.
Nachteil beim Einholen
Ein kleiner Nachteil bei der Seitenmontage einer Unterwasserpose ist lediglich der etwas größere Widerstand beim Einkurbeln der Montage. Das Einholen vom Ufer ist allerdings beim Hindernisangeln auch nicht besonders sinnvoll, weil sich die schweren Bleie bei großen Entfernungen nicht schnell genug vom Grund lösen. Sie verfangen sich dann sehr leicht in den Hindernissen. Das Einholen der Montagen ist mit dem Boot zwar etwas aufwendiger als normaler Weise, aber besondere Situationen erfordern nun auch mal besondere Vorgehensweisen.
Resümee
Wer mit dieser Methode das erste Mal fischt sollte zuerst einmal in etwas flacherem Wasser das Verhalten der Unterwasserpose ausprobieren. Schnell entwickelt man aber ein Gefühl dafür, wie stark/schwach die Montagen gespannt werden können. Beim ersten Anbiss bedarf es einem gewissen Maß an Überwindung den Kontakt zu einem gehakten Fisch zu unterbrechen. Bereits nach kurzer Zeit verwandelt sich dieses ungute Gefühl aber in Vertrauen, denn diese Art mit der Unterwasserpose zu fischen, ist eine der sichersten überhaupt und ist auch bei ihnen sicher bald für viele gute Fische verantwortlich.
In diesem sinne nur die dicken für euch.
Hans von den Tackleschleppern Wuppertal
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